Hab ich Dich, Du Schweinhund!

Selbstwert & innere Muster

22. Juni 2026

Ein unbewusstes "Beziehungs-Spiel", das alle spielen

 

Es klingt wie ein Ausruf aus einem schlechten Kriminalfilm. Und genau das ist es auch: ein Drehbuch. Eines, das in Beziehungen erstaunlich häufig gespielt wird, meist ohne dass einer der Beteiligten weiß, dass er gerade mitspielt.

Der Name ist bewusst überspitzt. Die Folgen spüren alle Beteiligten.

Was passiert in diesem "Spiel"?

Das Spiel beginnt nicht mit dem Streit. Es beginnt vorher.

Eine Person, nennen wir sie A, stellt eine Falle. Nicht absichtlich, nicht bewusst, aber zuverlässig.

Sie verhält sich so, dass der andere früher oder später einen Fehler macht. Oder sie wartet einfach, bis er passiert. Dann schlägt sie zu.

Kennst Du diese Sätze? Von Dir oder von anderen?

„Siehst du? Genau das meine ich immer." „Ich hab's ja gewusst." „Das ist typisch für dich."

Der Ton ist nicht laut. Er muss es nicht sein. Das Triumphgefühl sitzt auch in einem ruhigen Satz.

Person B reagiert. Vielleicht verteidigt sie sich. Vielleicht entschuldigt er sich. Vielleicht schweigt sie.

Egal was: A hat gewonnen. Das Spiel ist durch.

Bis zum nächsten Mal.

Ein Beispiel

Es ist Samstag. A hat die Woche über nichts gesagt, obwohl die Küche mehrfach unaufgeräumt war, die Wäsche liegengeblieben ist, der Anruf bei der Werkstatt immer noch aussteht.

A hat geschwiegen. Aber innerlich Buch geführt.

B merkt die Stimmung, weiß nicht genau warum, versucht es gut zu machen, kocht, räumt auf, fragt nach. A ist freundlich, aber kühl. Alles gut, sagt A.

Am Sonntagnachmittag, B liegt entspannt auf dem Sofa, sagt A beiläufig: „Hast du eigentlich die Werkstatt angerufen?"

B: „Oh nein, hab ich vergessen."

Und da ist es. A lehnt sich nicht vor, hebt die Stimme nicht. Sagt nur ruhig: „Ich frag mich manchmal, ob ich wirklich der Einzige bin, der hier an alles denkt."

B verteidigt sich, erklärt, zählt auf, was er diese Woche alles gemacht hat. A hört zu – mit dem Gesicht von jemandem, der genau das erwartet hat. Am Ende sagt A: „Schon gut. Vergiss es."

Nichts ist geklärt. Aber A hat gewonnen. Das Konto ist beglichen. Bis zur nächsten Woche.

 

Hinweis:

Dieser Dialog ist ein Beispiel.

Gestartet werden kann es von beiden Beteiligten, mit unterschiedlichen Themen.

Was ist der Gewinn?

Gewinn? Warum sollte jemand so etwas wollen?

Weil das Spiel etwas liefert. Einen psychologischen Gewinn.

In diesem Fall: das Gefühl, im Recht zu sein.

Bestätigung für ein Bild, das man vom anderen hat und von sich selbst:

Ich bin der vernünftige Teil. Ich bin der, der immer aufräumt, erinnert, trägt.

Das ist kein bewusstes Kalkül. Es ist ein Muster, das tief sitzt, aus einer Zeit, in der man tatsächlich auf der Hut sein musste. Das Muster hat irgendwann seinen Sinn gehabt. In der Beziehung von heute richtet es Schaden an.

Wie man nicht einsteigt

Das Schwierige an diesem Spiel ist: B nimmt die Einladung in den Spielablauf an. Nicht weil er/sie schwach ist, sondern weil die Einladung so vertraut klingt. Man kennt die Schritte, der Tanz kann beginnen.

Die Einladung zu erkennen beginnt mit einer Wahrnehmung.

Erster Schritt: das Muster erkennen, bevor man mittendrin ist. Es gibt einen Moment – meist kurz vor der Eskalation – in dem man spürt:

Das läuft wieder so.

Wer diesen Moment nutzt, verhindert den automatischen Ablauf.

Zweiter Schritt: nicht verteidigen. Verteidigung ist die Antwort, auf die das Spiel wartet. Sie bestätigt die Spiellogik. Eine andere Möglichkeit: direkt ansprechen, was man wahrnimmt. „Ich habe das Gefühl, wir sind gerade in einem alten Muster. Magst du mir sagen, was dich wirklich beschäftigt?"

Das ist unbequem, weil es unterbricht. Und es macht Angebote statt Vorwürfe.

Dritter Schritt: die eigene Rolle ehrlich anschauen. Wer immer wieder in dieses Spiel hineingezogen wird, darf sich fragen: Welchen Teil übernehme ich? Mache ich Fehler, die ich hätte vermeiden können und warum tue ich das?

Manchmal ist B nicht nur Opfer der Falle, sondern auch jemand, der sie bereitwillig betritt.

 

Was das mit Beziehungen macht

Paare, die dieses Spiel regelmäßig spielen, verlieren mit der Zeit das Vertrauen, nicht laut, nicht dramatisch, sondern still. Jede Runde hinterlässt eine Schicht. Irgendwann sitzt man sich gegenüber und weiß: Hier muss ich aufpassen. Das Gegenteil von Nähe.

Das lässt sich verändern. Aber nicht durch guten Willen allein. Guter Wille läuft gegen das Muster an und verliert meistens.

Was hilft, ist Klarheit darüber, was gerade gespielt wird und die Bereitschaft, das gemeinsam anzuschauen. Nicht als Anklage sondern als Einladung in gemeinsame Entwicklung der Beziehung.

Spielst auch Du dieses Spiel immer wieder mal? Als A oder B?

Dann lass uns reden: hans@habegger.eu

 

 

 

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