Deine Gefühle erzeugst du selbst

Beziehungen & Kommunikation

9. Juni 2026

   

Deine Gefühle erzeugst du selbst – nicht dein Partner

Gehst Du gerade in Widerstand zu dem Satz?

Denkst Du sowas wie:

„Wie bitte? Er hat mich absichtlich verletzt. Sie hat mich eiskalt ignoriert. Und ich soll dafür verantwortlich sein, wie ich mich fühle?"

Ja. Genau das.

Und nein – das bedeutet nicht, dass das Verhalten deines Partners in Ordnung war. Es bedeutet etwas anderes, viel Tieferes:

Zwischen dem, was dein Partner/deine Partnerin tut, und dem, was du fühlst, liegst immer du.

Was wirklich passiert, wenn wir uns verletzt fühlen

Stell dir vor, zwei Menschen erleben dieselbe Situation:

Ein Partner sagt beim Abendessen kaum ein Wort, schaut aufs Handy, geht früh schlafen.

Person A fühlt sich zurückgewiesen. Denkt: „Ich bin ihr nicht wichtig." Zieht sich verletzt zurück.

Person B macht sich Sorgen. Denkt: „Er hat bestimmt einen schweren Tag gehabt." Lässt dem anderen Raum.

Dieselbe Situation. Zwei völlig verschiedene Gedanken. Und zwei völlig verschiedene Gefühlsreaktionen.

Was ist der Unterschied? Nicht das Verhalten des Partners. Sondern das, was Du innerlich damit gemacht hast – deine Bewertung, die Geschichte, die Bedeutung, die D dem Moment gegeben hast.

Gefühle entstehen nicht durch äußere Ereignisse. Sie entstehen durch unsere Interpretation dieser Ereignisse. Und die Interpretation liegt in uns.

Die bequeme Falle der Schuldzuweisung

„Du machst mich wütend." „Du enttäuschst mich." „Du machst mir Angst."

Diese Sätze klingen nach Gefühl. Aber sie sind etwas anderes: Sie sind versteckte Schuldzuweisungen.

In der Gewaltfreien Kommunikation nennt man solche Formulierungen Pseudogefühle – sie klingen wie eine Information über mich, zeigen aber mit dem Finger auf den anderen.

Das Tückische: Es fühlt sich wahr an. Es fühlt sich so an, als ob dein Partner dich wütend macht. Als ob er schuld ist. Dein Nervensystem liefert dir dafür sogar körperliche Beweise – Herzrasen, enger Atem, ein Ziehen in der Brust.

Und trotzdem: Er macht dich nicht wütend. Du wirst wütend – weil in dir etwas berührt wird, das schon lange da ist. Ein Bedürfnis, das unerfüllt ist. Eine Erwartung, die enttäuscht wurde. Eine alte Wunde, die sich wieder meldet.

Was Verantwortung übernehmen wirklich bedeutet

Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen – das klingt zunächst wie eine Zumutung. Oder wie eine Einladung, alles mit sich machen zu lassen.

Beides stimmt nicht.

Es bedeutet: Ich schaue hin, was in mir los ist. Ich frage mich, welches Bedürfnis gerade unerfüllt ist. Welche Geschichte ich erzähle. Welche alte Verletzung gerade aktiviert wurde.

Das ist keine Schwäche. Das ist Stärke.

Denn solange ich glaube, dass mein Partner für meine Gefühle verantwortlich ist, bin ich ausgeliefert. Ich warte darauf, dass er sich ändert, damit ich mich besser fühlen kann. Ich gebe ihm die Macht über meinen inneren Zustand.

Sobald ich erkenne, dass ich der Urheber meiner Gefühle bin, gewinne ich etwas zurück: Handlungsfähigkeit.

Ein Beispiel aus der Praxis

Johanna kommt müde von der Arbeit nach Hause. Ihr Mann hat nicht gekocht, obwohl sie das so abgemacht hatten. Sie fühlt sich sofort wütend – und sagt: „Du denkst nie an mich."

Was passiert hier?

Johanna interpretiert sein Verhalten als Desinteresse. Dahinter steckt ein Bedürfnis – vielleicht nach Verlässlichkeit, nach Fürsorge, nach Wertschätzung. Das ist völlig legitim.

Aber: Ihr Mann hat nicht gekocht, weil er einen Anruf von einem kranken Freund bekam und die Zeit vergaß. Er hat nicht nicht gekocht, um sie zu verletzen.

Johannas Schmerz ist echt. Aber er kommt aus ihrem Bedürfnis – nicht aus seiner Absicht.

Wenn sie das erkennt, kann sie ein echtes Gespräch führen: „Ich war erschöpft und habe mich auf das Essen gefreut. Ich war enttäuscht, als es nicht da war. Ich möchte mit Dir darüber reden."

Statt: „Du denkst nie an mich."

Der Unterschied ist klein in den Worten. Riesig in der Wirkung.

Eine Einladung

Ich lade dich ein zu einem kleinen Experiment – für die nächste Woche.

Immer wenn du sagst oder denkst: „Du machst mich …" – halte kurz inne. Und frag dich:

Was fühle ich wirklich – in meinem Körper, ganz konkret? Welches Bedürfnis von mir ist gerade unerfüllt? Welche Geschichte erzähle ich mir über das, was passiert ist?

Du wirst überrascht sein, was du findest.

Und mit der Zeit wirst du merken:

Wenn du aufhörst, andere für deine Gefühle verantwortlich zu machen, werden deine Beziehungen nicht kälter. Sie werden echter.

Welches Gefühl begegnet dir immer wieder – und woher kommt es wirklich?

Wenn du das herausfinden möchtest: Schick mir eine Email.

Erstgespräch anfragen →

 

Weitere Einträge