Warum positives Feedback scheitert
Beziehungen & Kommunikation
15. Juli 2026

"Nichts gesagt ist gelobt genug" höre ich immer wieder, wenn es in Beziehungen um positives Feedback geht, oder um Lob im Führungs-Kontext.
Die Schwaben behaupten ja, es sei ein typisch schwäbisches Sprichwort, zu hören ist es aber in allen Regionen unseres Landes. Der Ursprung ist nicht einmal deutsch, im Lateinischen heißt es "Tacent, satis laudant".
Und so wird in Beziehungen, privat wie in Firmen, vorwiegend kritisches Feedback gegeben. Und häufig in der Vorwurfsform "Du bist...."
Die Bedeutung von positivem Feedback
John Gottman, Psychologieprofessor, viele Jahre die Kommunikation von Paaren analysiert und herausgefunden, dass ein Verhältnis zwischen positiven und kritischem Feedback von 5:1 typisch ist bei erfolgreichen Beziehungen. Unglückliche und instabile Beziehungen zeigen dagegen ein Verhältnis von 1.1 oder sogar 1:5, also mehr negative als positive Interaktionen.
Voraussetzung dafür ist natürlich, dass in der Beziehung auch Positives wahrgenommen wird und als bedeutsam angesehen wird, ansonsten fehlt für positives Feedback schlicht das "Rohmaterial".
Wenn Handlungen des Partners als "normal" angesehen werden, kann kein positives Feedback entstehen.
Wann verliert 5:1 seine Wirkung?
Wirkt Feedback über den Inhalt?
Nein. Basis der Wirksamkeit von Feedback ist Beziehung, wie sie aus Sicht des Feedback-Nehmers besteht.
Ist die Beziehung belastet, wird jedes Feedback geprüft und vor dem Hintergrund der Beziehungsdefinition umgedeutet oder gar abgewertet.
"Der sagt das ja nur so." "Das ist ja nicht ernst gemeint." "Der will nur gute Stimmung machen." So oder so ähnlich können die inneren Reaktionen sein.
Das Gehirn des Feedbacknehmers macht eher Annahmen um Bestätigung für die eigene Sicht auf die belastete Beziehung zu finden.
Warum das passiert
Drei Mechanismen, die gegen den Feedback-Geber arbeiten:
Abwertung. Positives Feedback von jemandem, dem man gerade ablehnt oder misstraut, wird nicht angenommen – es wird umgedeutet. Aus "du machst das gut" wird "er sagt das nur, weil er etwas von mir will".
Reaktanz. Nähe von jemandem, den man gerade auf Abstand halten will, ist unerwünscht. Das Feedback wird nicht als Geschenk erlebt, sondern als Übergriff.
Dissonanz. Ein positives Signal von einer negativ bewerteten Person erzeugt Widerspruch im Kopf. Und dieser Widerspruch wird fast immer auf Kosten der Botschaft aufgelöst – nicht auf Kosten des Feindbilds.
Das gilt im Team genauso wie in der Partnerschaft, unter Kollegen genauso wie zwischen Eltern und Kindern.
Die unbequeme Konsequenz
Du kannst nicht mehr positives Feedback geben, um eine Beziehung zu reparieren.
Die Reparatur muss zuerst passieren. Danach wirkt das Feedback wieder.
Vorher ist jedes noch so ehrliche Feedback im schlechtesten Falle nur eines: Munition für den nächsten Vorwurf.
Was das für dich heißt
Bevor du das nächste Mal Feedback gibst, frag dich: Wird das gerade als Beziehungsangebot gehört – oder als Strategie?
Wenn du die Antwort nicht kennst, kennst du dein eigentliches Problem noch nicht.
Es ist nicht das fehlende Feedback. Es ist das fehlende Vertrauen, das jedes Feedback zunichtemacht.


